Usability - für brauchbares Web

Design
In Zeiten von Web 2.0 ist sind es ja vor allem die "Gut drauf"-Farben, klare Kontraste und der Plastiklook, der sich grosser Beliebtheit erfreut. Das hat seinen Grund. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie zeigt, dass sich das Auge in den ersten 20 Millisekunden entscheidet, ob es auf einer Seite bleibt. Das gilt natürlich vor allem für die "Laufkundschaft". Trotzdem lässt sich mit dem allerersten Eindruck ein Gefühl vermitteln. Genau deswegen ist es im Moment sehr "in", grosse schöne Bilder im Header zu haben, die gleich eine gewisse Emotion auslösen. Natürlich kann man, wenn man das falsch macht, auch grosse Fehler begehen.

Weiter kann man das Verhalten des Besuchers beeinflussen, indem man sich an den Reading Path (Kress / van Leeuwen) hält: in unserem Kulturkreis sind wir es gewohnt, von links nach rechts und von oben nach unten zu lesen. Genau so kann man den Besucher auch steuern. Indem man Inhalte, von denen man erwartet, dass sie ein Besucher finden möchte, entlang diesem Lesepfad so platziert, dass sie schnell ersichtlich sind.

Zu grosse Elemente werden nicht gesehen. Das hat ebenfalls eine Studie gezeigt: ein Download-Knopf, der zu gross ist, wird übersehen. Paradox, aber wahr. Grundsätzlich ist eine Webseite usable, wenn die relevante Information so schnell wie möglich vom Auge erfasst wird, und die Navigation so angelegt ist, dass man über verschiedene Wege und mit möglichst wenigen Klicks zu jeder Information gelangen kann.

Text
Ganz entgegen dessen, was dieser Eintrag vermittelt, sind lange Texte auf Webseiten sinnlos. Lauftexte, welche mehr als 10 Zeilen lang sind, werden nicht gelesen. Man kann dem entgegenwirken, indem man Inhalte gliedert, mit Kästchen, Linien, Überschriften usw. Ebenfalls erleichtert es das lesen, wenn Keywords herausstechen. Aber bitte keine Kursivschriften. PCs können kursive Schrift einfach nicht richtig rendern.

Im Allgemeinen lässt sich zu Texten sagen: jeder denkt, er könne schreiben. Das ist nicht so. Gute Texte entsprechen gewissen Standards, die sehr oft vernachlässigt werden. Darauf jetzt im speziellen einzugehen, wäre ein bisschen viel. Aber man kann nur sagen, es lohnt sich, jemanden zu zahlen, damit er Texte redigiert oder auch gleich selbst erfasst. Auf einer Webseite hängt sehr viel vom Text ab.

Struktur
Ob eine Firma nun "Über uns" oder "Referenzen"-Seiten hat, das kommt auf die Tätigkeit der Firma an. Wenn ich auf eine Webseite einer Webdesignfirma gehe, dann will ich als allererstes sehen, was sie bisher gemacht hat. Je nach Grösse des Auftrags kommt es mit auch darauf an, zu sehen, wie gross die Firma ist. Bei kleinen Firmen ist es deswegen eher zu empfehlen, ihr Team nicht mit Fotos und Selbstdarstellung zu präsentieren. Unsere Referenzen-Seite ist die bestbesuchte der ganzen Seite...

Allgemein kann man sagen, dass mehr als 5 Hauptmenupunkte nicht nötig sind. Im Moment sieht man meist die Unterteilung in Firma / Kompetenzen / Referenzen / Kontakt. Das reicht vollständig. Alles andere kann man irgendwo darunter einordnen. Zuviele Menupunkte machen das Auge müde. Web 2.0 Standard legt Wert auf die 7-Punkte-Regel: nie mehr als sieben Navigationseinträge, egal ob auf der Hauptebene oder auf einer darunter liegenden.

Usability ist ein Annäherungswert
Es gibt kaum eine Webseite, welche sämtliche Usability-Richtlinien zu vereinen vermag. Vor allem dann, wenn neben der Usability auch auf Barrierefreiheit Wert gelegt wird, kann das Befolgen aller Standards zu einer echten Herausforderung werden. Man kann also sagen: wichtig ist, sich diesen Richtlinien bewusst zu sein und sie, wenn immer möglich, zu befolgen. Je nach Webseite und Inhalt können diese Richtlinien mit einer gewissen Relativität betrachtet werden, und ihre Umsetzung ist unter anderem immer eine Frage des gesunden Menschenverstandes unter Einbezug des gesamten Kontexts - immer eine Annäherung an ein Ideal.

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